Walls of Freedom

Bildband: Die Kunst der Revolution


Als Mubarak das Internet lahmlegen ließ, in der Hoffnung, er könnte damit die Protestwalze, die er auf sich zurollen sah, noch einmal aufhalten, schrieben seine Gegner ihre Botschaften kurzerhand auf den grauen Beton um sie herum. Hauswände, Mauern und Barrikaden dienten als improvisierte Zeitung; aus den Nachrichten in den Medien troff ohnehin längst nur noch das Schmieröl der Propagandamaschine.

Am 25. Januar 2011 breitete sich die Dynamik der Revolte vom Tahrir-Platz aus über das ganze Land aus. In den folgenden 18 Tagen überschlugen sich die Ereignisse: die Jugendbewegung des 6. April, die Muslimbrüder, die Kopten, das Millitär – alle mobilisierten ihre Anhänger, schmiedeten untereinander kurzfristige Allianzen, nur um sich wenig später wieder zu bekämpfen. In diesem Durcheinander wurde Graffiti zu einem wichtigen Kommunikations- und Ausdrucksmittel für die Aktivisten, kahle Wände wurden zu Platzhaltern für die Meinungsfreiheit.

Als bescheidene Monumente des alltäglichen Widerstands erinnern die „Mauern der Freiheit“ an den Geist der Revolution – und warten dabei ständig auf ihre eigene Veränderung. Schließlich erzählen die vergänglichen Straßenunstwerke auch, dass die Revolution in Ägypten noch nicht abgeschlossen ist.

Künstler, Historiker und Ägyptologen haben in „Walls of Freedom“ auf  Papier festgehalten, was im Original manchmal nur ein paar Stunden lang zu sehen ist. Der Bildband ist gespickt mit Texten, die den Verlauf der Ereignisse nachzeichnen, und kann somit als authentisches Tagebuch der Revolution gelesen werden – eine visuelle Bestandsaufnahme zum „State of the Art“ der ägyptischen Zivilgesellschaft.